„Wir brauchen mehr Mut“

Warum funktionieren Innovation und Digitalisierung nur miteinander und warum scheitern Unternehmen daran?

CONTROLWARE SECURITY DAY

„Wir brauchen mehr Mut“

© Controlware GmbH

Gespannt lauschten die rund 500 Gäste dem Vortrag von Chris Boos, der berichtete, wie die Digitalisierung zur großen Chance für die Wirtschaft werden kann.

Interview mit Chris Boos, Gründer und CEO Arago GmbH

Er ist Experte für Künstliche Intelligenz (KI), Berater im Digitalrat der Bundesregierung und Gründer des auf KI spezialisierten Unternehmens Arago. Auf dem Controlware Security Day hat Chris Boos über Chancen der Digitalisierung gesprochen. Uns verrät er im Interview, was Veränderung hemmt – und warum sie dennoch unaufhaltsam ist.

 

Herr Boos, was bedeutet Digitalisierung für deutsche Wirtschaftsunternehmen?

Erst einmal: vieles von dem, was wir heute tun, zu automatisieren. Und weil dann Menschen und Kapital frei werden, macht das auf einmal vieles möglich, was wir bislang noch nicht können, weil es nicht genug Leute gibt oder weil es nicht wirtschaftlich ist. So entstehen völlig neue Möglichkeiten für Dienstleistungen, Produkte und Services.

 

Warum lohnt sich das für die Wirtschaft?

Weil der Druck hoch ist. Viele Unternehmen werden in ihren Kernbranchen angegriffen und müssen Innovation bringen – ein Wort, das noch nie so viel benutzt wurde wie jetzt. Aber man muss auch die Möglichkeit haben, Innovationen voranzutreiben – finanziell und ideenmäßig. Und das geht nur mit Digitalisierung.

 

Lassen Sie uns einmal festhalten, was Digitalisierung für Wirtschaftsunternehmen umfasst.

Das ist schwer zu umreißen, da wird jeder andere Punkte aufführen. Aber seine bestehenden Formulare in Webformulare umzuwandeln – das ist keine Digitalisierung. Denn sie bedeutet immer auch eine Veränderung des Geschäftsmodells.

 

Also hin zu agilem Arbeiten?

Agiles Arbeiten ist doch menschennatürlich, oder? Wir haben schon immer unsere Arbeit so geändert, dass wir Ziele erreicht haben. Dass wir erst einen Flughafen fertig bauen und dann feststellen, dass wir ihn anders machen müssen, ist ein sehr neues Phänomen.

 

Es wurde auch in Ihrem Vortrag deutlich: Unternehmen gehen den digitalen Wandel noch sehr zögerlich an. Warum ist diese Haltung fatal?

Wenn wir es nicht machen, dann macht es eben jemand anderes. Momentan sind wir wirtschaftlich noch vorne dabei. Doch die Geschäftsmodelle werden sich wandeln. Wer sich dann nicht ändert, verliert an Wert. Das ist sehr einfach. Schwer ist nur, Veränderung auch wirklich umzusetzen. Gerade wenn die Gesellschaft Mut zum Risiko und Fehler bestraft und direkt Kündigung oder Rücktritt fordert, wenn etwas schief geht. Jemand, der die Suppe einbrockt, muss sie auch auslöffeln. Das wäre ein besserer Umgang mit Risiken und deren Ergebnissen.

 

Brauchen wir mehr Mut zur Fehlerkultur?

Wir brauchen überhaupt mehr Mut. Fehler sind Fehler. Sie passieren. Fehler zu glorifizieren macht auch keinen Sinn. Aber man muss aus ihnen lernen können und Verantwortung übernehmen, um die Probleme, die aus ihnen entstanden sind, auch wieder zu lösen. Und wir müssen Menschen, die Mut haben, auch Wertschätzung entgegenbringen. Ich glaube übrigens, dass die Arbeitnehmer am meisten für Veränderungen sind. Die Industrie möchte Veränderungen gern sehr langsam regulieren und die Arbeitnehmer, sogar die Gewerkschaften, sagen „Wir wollen das jetzt!“. Das ist ja eine einmalige Situation.

 

Welche Herausforderungen müssen Unternehmen im Rahmen der digitalen Transformation meistern – und wie sollten sie dabei vorgehen?

KI ist sicher ein Grundsatzthema für die Digitalisierung, weil sie im Moment die einzige Technik ist, mit der man eine breite Automatisierung einleiten kann. Was Unternehmen meistern müssen, ist ein völlig neues Vorgehensmodell. Das Konzept von Analysieren, Standardisieren, Konsolidieren und Exekutieren wird an Wichtigkeit verlieren. Aber wir haben es 150 Jahre lang trainiert. Deshalb erfordert es ein echtes Umdenken, mit individuellen Aufgabenstellungen und Lösungen umzugehen, die nicht alle vorhersagbar und nicht alle komplett beschreibbar sind – diese Umstellung von einer industrialisierten auf eine erfahrungsbasierte, wissensbasierte Methodik wird die größte Herausforderung.

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